Institut für Philosophie

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Lehrveranstaltungen im aktuellen Semester

Paternalismus

Dozenten

Beschreibung

In unserer alltäglichen Entscheidungsfindung kommt es immer wieder zu autonom gewählten Handlungen, die für unser Wohlergehen oder unsere höheren Ziele nicht zuträglich sind: Der Griff zum dritten Stück Kuchen, finanzielle Verschuldung über ein tilgbares Maß hinaus oder der Konsum erheblich gesundheitsschädlicher Drogen. Wie sollten wir gesellschaftlich mit der Tatsache umgehen, dass menschliche Entscheidungsfindung fehlbar ist?

Sarah Conly argumentiert in ihrem provokanten, kurzweiligen und anschaulichen Buch Against Autonomy dafür, dass politische Maßnahmen ergriffen werden müssen, um unsere Entscheidungsfindung in Einklang mit unseren Zielen zu bringen, auch wenn dabei Autonomie massiv eingeschränkt wird. Mit Rückgriff auf Ergebnisse jüngerer Sozialforschung und in kritischer Auseinandersetzung mit philosophischen Klassikern, wie John Stuart Mills Verteidigung individueller Freiheit, argumentiert sie für umfassendere paternalistische Gesetzgebung, die Individuen das Erreichen ihrer Ziele erleichtern soll.

Der Text berührt dabei Themen der Politischen Philosophie ebenso wie der Rechtsphilosophie, der normativen Ethik, der Rationalitätstheorie sowie empirischer Sozialwissenschaften. Denn es geht um nichts weniger als die Fragen, ob sich allgemein akzeptable Werte des guten Entscheidens und Lebens philosophisch untermauern lassen, diese zudem durch paternalistische Gesetzgebung förderbar sind und schließlich unsere Regierungen dazu zu verpflichtet sein können, genau jene autonomiebehindernden und zugleich wohlfördernden Gesetze in umfangreicheren Maße als bislang auf den Weg zu bringen. Haben Regierungen also die Pflicht, unsere Autonomie einzuschränken, um unser Wohlergehen zu sichern? Sarah Conly meint: ja!

In diesem Seminar werden wir das Buch von Conly gemeinsam lesen, auf ihre zentralen Argumente und Thesen hin analysieren, einige zentrale Begriffe unter die Lupe nehmen, außerdem ihre Illustrationen und Beispiele diskutieren und schließlich bewerten, wie überzeugend der Gedankengang ist. Dabei werden wir neben den konkreten Praxisbeispielen von Conly, die auf die US-Amerikanische Gesellschaft und Gesetzgebung beschränkt sind, auch vereinzelt mögliche Anwendungsgebiete paternalistischer Regulierungen im Sinne Conlys im europäischen oder deutschsprachigen Raum gemeinsam untersuchen. Das zugängliche Buch ist hervorragend dazu geeignet, sich einem normativen Argument mit Bezügen zu empirischer Forschung und provokanten gesellschaftspolitischen Konsequenzen kritisch zu nähern.

Das Seminar findet im Frühjahr 2019 statt und hat einen wöchentlichen stattfindenden und einen Blockteil, die beide besucht werden müssen:
• Donnerstags ab 10.01.19 bis Semesterschluss, 10:00 -12:00 Uhr (wöchentlicher Teil) und
• Montag 18.02. bis Mittwoch 20.02.19, jeweils 10:00 -16:00 (Blocktermine).

Die Veranstaltung wird auf deutsch abgehalten, da wir aber das englischsprachige Original lesen werden, sind ausreichende Englischkenntnisse für die Teilnahme an der Veranstaltung unabdingbar! Bis zur ersten Sitzung am 10.01.19 muss ein Teil des Textes in Eigenregie bereits gelesen werden, mehr Informationen erhalten alle über StudIP angemeldeten Teilnehmer/innen demnächst per Email. Das Buch ist größtenteils recht leserfreundlich geschrieben und mit knapp 190 Seiten nicht sehr lang.

Textgrundlage: Sarah Conly (2013) Against Autonomy. Justifying Coercive Paternalism. Cambridge University Press. Ca. 190 S.
Die Textgrundlage wird über StudIP bereit gestellt.

Weitere Angaben

Veranstaltungsart: Seminar (Offizielle Lehrveranstaltungen)
Veranstaltungsnummer: 8.4264
Ort: 69/117
Zeiten: Do. 10:00 - 12:00 (wöchentlich), Termine am Montag. 18.02.19 - Mittwoch. 20.02.19 10:00 - 16:00
Erster Termin: Do , 10.01.2019 10:00 - 12:00, Ort: 69/117

Studienbereiche

  • Philosophie > Aufbaumodul Praktische Philosophie
  • Philosophie > Aufbaumodul Praktische Philosophie: „Das Richtige & das Gute“
  • Philosophie > Aufbaumodul Praktische Philosophie: „Gesellschaft & Staat“